Lehrpfad 2: Lebensmittel wertschätzen!

Im Projekt AckerWelten entwickelt finep gemeinsam mit landwirtschaftlichen Betrieben mehrere Lehrpfade. Diese zeigen am Beispiel verschiedener Nahrungsmittel das Zusammenspiel von lokaler und globaler Landwirtschaft auf und geben Tipps für einen nachhaltigen Nahrungsmittelkonsum.

Der zweite Lehrpfad widmet sich einer der wertvollsten Sachen für uns Menschen: unseren Lebensmitteln! Er besteht aus drei Stationen mit aufklappbaren Schatzkisten und steht in Kürze auf dem Haldenhof in Beuren.

Lebensmittel: Mittel zum Leben

Ackerwelten Kartoffel

Hast du dich schon einmal gefragt, woher deine Kartoffeln kommen, wer sie geerntet hat und ob man von dieser Arbeit gut leben kann? Was ist dir gutes Essen wert? Jedes Jahr landen allein in Deutschland rund 10 Millionen Tonnen Lebensmittel im Abfall – das sind 313 Kilo pro Sekunde. Und einen großen Teil dieser Verschwendung verursachen wir als KäuferInnen selbst. Dabei sind Lebensmittel viel zu wertvoll zum Wegschmeißen. Denn in ihnen stecken viel Arbeitszeit und Ressourcen. In einem Kilo heimischer Lagerkartoffeln zum Beispiel ganze 119 Liter Wasser, was etwa einer vollen Badewanne entspricht. Bei Importkartoffeln aus wasserarmen Regionen ist es noch viel mehr: Frühkartoffeln aus Ägypten benötigen rund 428 Liter Wasser pro Kilo.

Beurteilen wir Lebensmittel nicht vordergründig nach Aussehen und Preis! Es sind Mittel zum Leben – für uns und die Menschen, die sie produzieren.

Leben von der Landwirtschaft

Apfel Möhre Ackerwelten

Etwa ein Drittel der Weltbevölkerung lebt von der Landwirtschaft. Die meisten davon sind Kleinbauern und -bäuerinnen im Globalen Süden. Sie bewirtschaften kleine Ackerflächen, leisten damit aber einen großen Beitrag: Rund 500 Mio. kleinbäuerliche Betriebe produzieren etwa 80 Prozent der weltweit konsumierten Nahrungsmittel. Doch die LandwirtInnen im Globalen Süden und ihre KollegInnen in Europa haben mit großen Problemen zu kämpfen. In Europa müssen viele kleine landwirtschaftliche Betriebe aufgrund des hohen Preisdrucks im internationalen Wettbewerb aufgeben. Weltweit werden zudem immer mehr Ackerflächen als ertragreiche Kapitalanlage aufgekauft oder gepachtet.

LandwirtInnen müssen von ihrer Arbeit leben können! Dafür braucht es faire Preise für Lebensmittel.

Hunger in Zeiten des Überflusses

Ackerwelten Mais

Die Landwirtschaft ist produktiver denn je: Mit den derzeit produzierten Kalorien könnten weitaus mehr Menschen ernährt werden, als auf der Erde leben. Dennoch sind 2 Milliarden Menschen von Unter- oder Mangelernährung betroffen. Die Bekämpfung von Hunger ist auch eine Frage der gerechten Verteilung. Die Probleme der derzeitigen Verteilung werden am Beispiel Mais deutlich. Weltweit werden jährlich über eine Milliarde Tonnen produziert – eine riesige Menge, die viele Menschen satt machen könnte. Doch ein Großteil dieser Ernte wird an Tiere verfüttert, um das wachsende Verlangen nach Fleisch zu stillen, oder landet als „Biosprit“ in Autotanks. Deshalb ist die Nachfrage nach Mais teils höher als das Angebot, was den Preis weltweit nach oben treibt. Zudem wird an den Börsen auf fallende oder steigende Maispreise gewettet. Das kann zur Folge haben, dass für viele Menschen in Ländern des Globalen Südens ihr Grundnahrungsmittel Mais unbezahlbar wird.


Und was hat das jetzt mit uns als KonsumentInnen zu tun?

  • Du kannst der Verschwendung entgegenwirken, indem du Lebensmittel bewusst einkaufst und sie etwa durch Einfrieren haltbar machst oder kreativ weiterverwendest. Rezepte für Reste findest du z. B. unter www.zugutfuerdietonne.de.
  • Über die Initiative foodsharing kannst du dich für das Retten und Teilen von Lebensmitteln engagieren: www.foodsharing.de.
  • Der direkte Einkauf bei ProduzentInnen, etwa auf Wochenmärkten oder in Hofläden, sichert diesen einen angemessenen Preis und uns besonders frische Erzeugnisse der Saison.
  • Beim Einkauf von Produkten wie Kaffee oder Bananen, die nicht bei uns wachsen, können wir auf die Siegel des Fairen Handels achten. Sie stehen für gerechte Löhne und faire Arbeitsbedingungen. Einen Überblick über die Siegel bietet z. B. www.siegelklarheit.de.

Mehr zu diesem Thema:

  • Die internationale Bewegung Slow Food setzt sich für die Wertschätzung von Lebensmitteln ein: www.slowfood.de.
  • Jedes Jahr im Januar organisiert ein breites Aktionsbündnis die Demo Wir haben es satt!. Für gutes Essen und gute Landwirtschaft kommen dabei Tausende Menschen in Berlin zusammen: www.wir-haben-es-satt.de.
  • In Projekten der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) schließen sich VerbraucherInnen mit einem landwirtschaftlichen Betrieb zusammen, um gemeinsam Verantwortung für die Herstellung von Lebensmitteln zu übernehmen. Informationen und Mitmachmöglichkeiten: www.solidarische-landwirtschaft.org.
  • Auf dem Welternährungsgipfel 1996 präsentierte die Kleinbauernorganisation La Via Campesina das Konzept der Ernährungssouveränität. Es steht für das Recht aller Menschen auf gesunde, regionale Nahrung, die ohne Ausbeutung von Natur und Menschen hergestellt und verteilt wird. Gruppen wie Nyéléni machen sich weltweit für dieses Ziel stark und organisieren regelmäßig Veranstaltungen: www.nyeleni.de.
  • Welche Kosten und negativen Konsequenzen für unsere Umwelt mit Lebensmittelverschwendung verbunden sind, zeigt dieses kurze Video (englisch) der FAO zum Food Wastage Footprint
  • Im Film TASTE THE WASTE dreht sich alles um Lebensmittelverschwendung.
  • Valentin von Thurn erkundet in seinem Film 10 Milliarden – Wie werden wir alle satt? die wichtigsten Grundlagen der Lebensmittelproduktion.
  • Der Film Bauer unser setzt sich mit der Situation von LandwirtInnen in Europa auseinander.

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Mehr Informationen zum Projekt AckerWelten und den weiteren Lehrpfaden findest du hier.


Das Projekt wird gefördert von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und mit Mitteln des evangelischen Kirchlichen Entwicklungsdienstes.